Hilfe, was ist das?
7 Juni 2007
Hilfe, was ist das?
Nichts ahnend döste ich vor mich hin und lies mir von den Sonnenstrahlen, die durch das Fenster drangen das Fell wärmen. Ab und an blinzelte ich und sah aus dem Augenwinkel wie Missy einen dieser komischen Gegenstände jagte. Warm war es und irgendwie etwas leer. Das tägliche Rauschen war zwar vorhanden, doch es fehlten die Stimmen, die sonst in dem Raum ertönten und die Schritte, die den Boden leicht erzittern ließen.
Noch ziemlich deutlich erinnerte ich mich daran, wie die Napffüller vor einigen Stunden meinten „Bis später. Wir sind erstmal drüben im Garten.“ – Wo auch immer drüben sein sollte. Nun ja. Ich kannte ja nur den Ort meiner Geburt und diesen neuen Ort. Auch wenn ich mir hier noch nicht alles merken konnte.
Jedenfalls war es still hier. Außer den quiekenden und gurrenden Ratten und Missy die ab und an umhertollte und bald sicher auch wieder schlafen würde. Es würde also wieder ein ruhiger Tag werden und ich konnte mich in Ruhe meinen Gedanken und Ideen widmen.
Dachte ich zumindest. Gegen die Mittagsstunde war Schluss mit der Ruhe. Kurz darauf vernahm ich, wie das Auto der Napffüller heran fuhr, die Tür geöffnet und wieder zugeschlagen wurde und dann auch noch das wohlbekannte stampfen auf der Treppe die wohl hier hin führt. Jedes mal kann ich schließlich diese Dinge vernehmen bevor es klingt „Wir sind wieder da!“.
Naja. Jedenfalls war wenige Sekunden später dann auch das Rascheln an der Tür – Missy hat mir erzählt dass es da nach unten geht, sie da aber nicht hin darf – und ein merkwürdiges klacken vernehmen. „Hallo ihr Süßen. Bin nur kurz da. Gleich wieder weg. Eben was hohlen und Rechner ausmachen.“ Hallte es aus Richtung der Tür und kam näher. Aha! Das Weibchen war da. Doch wo war das Männchen? Die beiden waren doch zusammen raus gefahren. Naja, egal. Ging mich nichts an, ich hatte eh besseres zu tun. Mir soll’s recht sein, wenn beide nicht da sind, dann ist hier schön ruhig.
Pustekuchen! Erst wurschtelt das Weibchen irgendwas an der lustig blinkenden Kiste, mit den vielen tollen Bändern mit denen ich nicht spielen darf, und verschwindet dann in den Raum mit den vielen weißen rutschigen Flächen, auf denen ich so schlecht hoppeln kann. Soweit so gut. Kaum tauchte das Weibchen wieder auf, als wie so oft dieses schreckliche klingeln zu hören war. Ok, bin ich ja schon gewohnt. Aber nicht, dass direkt danach mein Name erwähnt wird! „Murmel, wir machen einen Ausflug.“ Ausflug? Was ist das. „Du kommst mit. Darfst etwas auf der Wiese hoppeln und die Sonne genießen.“ Gut, gut. Sonne kannte ich. Aber Wiese? Ähm, naja. Gut, Hauptsache ich krieg dann da meine Ruhe. Was auch immer sie mit mir vorhatte.
Erst lief sie noch wild in der Wohnung umher und suchte das eine oder andere Zusammen und dann kam sie mit der lila, weißen Kiste, die Missy so hasste und in der ich mit Papa und Sparky schon mal zum Tierarzt gefahren bin. War zwar nicht ganz angenehm aber ich fand es auch nicht so schlimm, wie Missy immer meinte. Na gut. Sie ist ja auch einiges größer als ich. Für sie ist es sicher viel enger da drin. Na dann, also rein in das gute Ding und abwarten. „Wir sind in etwa fünf Minuten drüben. Dann kannst du wohl in zehn Minuten auf der Wiese hoppeln.“ Gut, gut. Zehn Minuten. Scheint ja nicht so lange zu sein. Ich hab zwar keine Ahnung was sie meint, aber diese Andeutung habe ich schon öfter gehört und damit waren immer kurze Zeitspannen verbunden. Also, abwarten.
Leicht wurde ich hin und her geschwenkt und empor gehoben. Es ruckelte und schaukelte. Kein fester Boden. Alles wackelig und Schwindel erregend. Immerhin, es sollte ja nur für kurze Zeit sein.
Dann hörte ich wieder das kratzen und klacken in der Tür – aber diesmal von der anderen Seite – und das Stampfen auf der Treppe mit dem darauf folgenden Klang von zwei weiteren Türen. Brummend, ruckend und vor allem in enormer Hitze ging es dann los. Hilfe, war das laut und heiß! Aber das Weibchen hatte ja noch mal gesagt: „In drei Minuten sind wir drüben. Dann kannst du raus. Keine Angst, Murmel.“ Augen zu und durch. Bald sollte ich es ja überstanden haben.
Tatsächlich. Kurz darauf ruckelten wir langsamer voran und wir bremsten. Die Tür wurde geöffnet und lauwarme, frische Luft strömte hinein. Ganz andere Gerüche als ich sie gewohnt war. Viele verschiedene Düfte lagen da in der Luft und vermischten sich mit Gestank von Straße und dem lauten Gefährt,. „Gleich sind wir da. Nur noch den Weg in den Garten laufen und dann kannst du raus.“ Neugierig beschnupperte ich die Gegend. Papa hatte mir glaub ich davon erzählt… Langsam kamen da ein paar Erinnerungen wieder. Da war doch auch etwas von einer Wiese. Genau! Etwas grünes war da. Moment! Hier war ich doch schon einmal! Letzten Sommer war das. Und Mama war da auch noch da. Da waren wir doch schon mal hier und da war doch auch die Rede von einer Wiese gewesen. War das nicht das grüne leckere auf dem wir laufen durften? Naja, es war zwar lecker, aber den Stall fand ich doch gemütlicher. Da konnte man sich wenigstens etwas höher strecken.
Jetzt erinnerte ich mich wieder. Hier war ich wirklich schon mal. Sollte ich etwa in dieser Koste bleiben und da drin auf dem Rasen sitzen? Ach gemein. Dann doch lieber in Ruhe zu Hause ohne Sonne. Aber Moment einmal! Was war das? Das Gitter wurde gelöst und ich durfte da in einen großen Zaun hoppeln? Hmm, ok. Besser so als in der kleinen Kiste. Aber vorsichtig! Man kann ja nie wissen, was hier so lauert. So viel Unbekanntes. Diese ganzen Gerüche nach verschiedenen Pflanzen. Und der Boden riecht auch ganz anders. Erdig, feucht und nach Gras. Da waren auch noch ganz andere Geräusche als sonst. Vögel kenne ich ja, Aber hier gab es viel mehr und vor allem sangen die auch etwas anders. Und dann natürlich noch die ganzen Futterträger. Da waren auch plötzlich so viele Stimmen um mich herum. Uiuiuiui! Schnell wieder in meine Kiste. Erstmal alles in Ruhe beobachten und kennen lernen. So viel Neues!
Grünzeug über und unter mir. Irgendwie zu viel des Guten. Lieber erstmal vom weiten beobachten und ab und an mal eine kleine Stichprobe nehmen. Aber die Luft war hier wirklich besser als in der Wohnung. Und es gab viel mehr zu entdecken. Zu viel für meinen Geschmack. Naja, immer mal schauen und kennen lernen…
Erst gegen Abend hatte ich langsam entschlüsselt um was es sich alles handelte und dass ich keine wirkliche Angst haben brauchte. Dann konnte ich ja wirklich die schönen Sonnenstrahlen genießen und mich auf das weiche Gras legen. Hier und da noch einen Halm abzupfen und dran knabbern und den Duft der weiten Welt genießen.
Vielleicht komme ich ja bald wieder und kann noch viel mehr entdecken. Nun möchte ich aber ziemlich müde in meine Kaninchenträume abdriften und etwas vor mich hin Dösen. Schlaft gut und träumt was Schönes.
Eure Murmel
(8. Juni 2007 00:30)
9 Juni 2007 at 1:38
/no1
das beschreibt schon alles was ich von dieser Geschichte halte =)
Auch wenn du sagst du wolltest sie noch weiter ausschmücken(das kannst du ja noch nachträglich machen), ich finde sie Super gelungen und vorallem find ichs niedlich und keine Ahnung ich war begeistert als ichs gelesen habe =)
Mach nur weiter so
Schöne Tage
Marvin